Wenn es um das Thema Golfsucht oder sogar Golfwahnsinn geht, bin ich sicherlich noch zu den Normalos zu zählen. Vor dem strengen Auge der Golfnut Society muss ich mich wahrscheinlich als Golfspießer bezeichnen lassen. Naja, macht nichts, denn irgendwie stimmt das auch. Ich habe bisher noch kein 100 Loch-Turnier an einem Tag gespielt, meinen Urlaubsort habe ich mir erst einmal nach der Golfplatzlage ausgesucht und ich spiele momentan auch viel zu selten, weil ich irgendwie berufstätig bin.

Eine Leidenschaft ist es dennoch. Und es macht ungeheuer viel Spaß, ist meditativ und damit besser als jede Therapie. Und man verbrennt nahezu 2000 Kilokalorien auf einer Runde - vorausgesetzt, man läuft und trägt sein Bag. Wer hätte das gedacht. Da muss man schon eine Weile auf dem Ruderergometer ackern, bis man 2000 Kilokalorien abgeschwitzt hat. 

Aber zurück zur kontemplativen Facette des Golfsports. Einen sehr amüsanten, bewegenden und nicht zuletzt inspirierenden Blick auf unsere Lieblingsbeschäftigung erlaubte mir Eugen Pletsch mit seinem Werk "Golfgaga - Der Fluch der weißen Kugel". Ich will ehrlich sein: das erste Buch ("Der Weg der weißen Kugel") habe ich noch nicht gekauft, geschweige denn gelesen. Irgendwie hat mich das Cover mit dem komischen dicken Zwerg darauf nicht angesprochen, vielmehr sogar abgeschreckt. Bei Golfgaga war das anders. Ohne Zwerg und angejuckt durch Eugen Pletschs Golfnotizen - die ich leidenschaftlich gern lese -, kaufte ich mir das Buch und versank darin. Ich habe gelacht, geweint, mitgelitten und manchmal auch nur Bahnhof verstanden. Unvergessen bleibt mir u.a. der konspirative Plausch mit Dagobert Seicht über die Zahl 23, der Kampf Mensch gegen Natur an der Seite von Oliver Heuler (ein Brüller) oder die einfühlsame Ehrlichkeit eines Heinz Grötschmann (großartig).

Meistens war ich mittendrin, statt nur dabei. Aber es gab auch Momente, da habe ich verstanden, dass der Protagonist ein ganz eigener Planet ist ... und wir sind nur zu Gast. Aber genau das macht den Reiz dieses besonderen Stücks Golfliteratur aus, was eindeutig mehr ist als nur Golfliteratur. Aber das muss jeder für sich selbst ausprobieren. 

Meine Erkenntnis: ich bin offensichtlich nicht Golfgaga. Sollte sich daran aber etwas ändern, kaufe ich mir eine Trommel und eine Fahrkarte nach Bad Berzich.
 
 
 
Golfgaga - Der Fluch der weißen Kugel
von Eugen Pletsch

256 Seiten, Hardcover gebunden
16,95 EUR

 
 

Anknüpfend an meine Vorsätze für 2008 habe ich nun auch golfliterarisch entschlackt. Nachdem mir immer öfter aufgefallen ist, dass ich die Zeitschriften Golfmagazin und Golf Journal relativ lustlos und schnell durchblättere, um gerademal an einem Artikel von Stefan Maiwald kleben zu bleiben, habe ich die Konsequenzen gezogen und meine Abos gekündigt. Ich glaube nicht, dass ich sehr leiden werde.

Ich lese viel und ich lese gern. Bücher, Zeitschriften, Klowandsprüche und früher auch gern die Neue Spezial.

Schon fast manisch ist meine Gier nach jedwedem geschriebenem Wort über Golf. Dabei sind mir schon einige Kuriositäten unter die Augen gekommen, in der Mehrzahl Golfzeitschriften, die eigentlich über jeder Seite das Wort "Anzeige" stehen haben müssten. Ich lese sie dann trotzdem (oder blättere zumindest darin herum) und ärgere mich über mein ehrliches Neideingeständnis. Denn diese Damen und Herren Herausgeber sind ziemlich schlau. Eigentlich müsste ich auch so eine Zeitschrift herausbringen. Am wichtigsten sind natürlich Equipmenttests, Reisereportagen und Automobilvorstellungen. Denn dann würde ich bestimmt jedes Jahr einen neuartigen Driver testen dürfen, um ihn dann - weil gebraucht - behalten zu dürfen, idealerweise zum Anfang der Saison. Dann würde ich meinen redaktionellen Fokus auf den Bereich Travel legen und die eine oder andere Einladung in die eine oder andere Golfdestination bekommen. Und zu guter Letzt darf natürlich das Auto-Ressort nicht fehlen. Ich würde mich natürlich auf die neuen Modelle der Sportwagen- und Luxusklasse beschränken, die ich freundlicherweise während eines kleinen Events an der Algarve oder der Côte d'Azur probefahren durfte. Daneben bleibt noch ein bisschen Zeit fürs Golfspielen, vornehmlich auf Charity-Turnieren, um das Golfgeflüster der Szene einzufangen. Mehr bräuchte ich eigentlich nicht. Aber ich bin halt zu blöd und zu feige.

Umso mehr freue ich mich darüber ... nein. Ich freue mich immer, wenn ich einen Artikel von Stefan Maiwald lese, u.a im Golf Journal. Seine selbstironische Art zu schreiben nimmt mich immer wieder gefangen und bringt mich zum Lachen. Aber sein Meisterstück ist in meinen Augen auch gleihzeitig mein Lieblingsgolfbuch, welches ich jedem Golfspieler und -interessierten ans Herz lege oder es ihm oder ihr gleich schenke. "Golf" aus der dtv-Reihe "Kleine Philosophie der Passionen" ist ein herrliches Buch von einem leidenschaftlichen Golfer für leidenschaftliche Golfer. Ich habe es bisher drei mal gelesen und nehme es immer wieder in die Hand, um die eine oder andere Passage zu lesen. Es ist nicht nur ein herrliches Kleinod deutscher Golfliteratur, sondern hat es auch geschafft, dass Stefan Maiwald in meinem persönlichen Wunsch-Flight wäre (u.a. mit Samuel L. Jackson).

Das Buch kostet als Schmuckausgabe 17,60 EUR. Und die 128 Seiten sind meiner Meinung nach jeden Cent wert.